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Tipps für Angehörige
Menschen mit Magersucht lehnen Hilfe häufig ab, dass kann für die Angehörigen eine belastende Situation sein.
Magersucht

Tipps für Angehörige

Für das Umfeld der von Magersucht Betroffenen kann die Situation sehr belastend sein. Direkte Hilfe ist kaum möglich und zu viel Druck kann Magersüchtige noch tiefer in die Essstörung treiben. Um Magersucht wirklich dauerhaft zu besiegen, müssen die Betroffenen ihre Erkrankung erst selbst als solche erkennen.

Angehörige sollten sich nicht davor scheuen, selbst Hilfe anzunehmen: Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen bieten Halt und helfen dabei, mit Ängsten und Schuldgefühlen fertig zu werden. Besonders wichtig ist es, dass Angehörige verstehen, dass sich das Verhalten der Betroffenen, die Heimlichkeiten und Abwehr von Hilfsangeboten nicht bösartig gegen den Helfenden richten. Die Betroffenen sind in einem Teufelskreis gefangen und können sich dem Zwang der Krankheit kaum entziehen.

Hungrig-Online e. V. bietet ein Forum für Betroffene und Angehörige an, um sich mit anderen auszutauschen.

Mögliche Anzeichen einer Magersucht erkennen und ansprechen

Für Eltern ist beispielsweise das gemeinsame Essen mit ihren Kindern ein Anhaltspunkt um eine mögliche Essstörung zu erkennen. Versuchen die Kinder das gemeinsame Essen zu umgehen, essen sehr langsam, in kleinen Bissen, essen lieber alleine oder heimlich? Kam es zu einer starken Gewichtsabnahme, zieht sich der Betroffene vielleicht zurück?

Wenn Eltern oder Angehörige Anzeichen einer Magersucht bemerken, ist es wichtig, das Thema anzusprechen, auch wenn das zunächst schwierig und unangenehm erscheint. Für die Betroffenen ist es hilfreich zu spüren, dass sie ihrem Umfeld wichtig sind. Achten Sie aber darauf eine Drucksituation zu vermeiden, nicht zu verurteilen oder anzuklagen.

Fragen nach dem Befinden, auffälligen Symptomen wie Abgeschlagenheit und Müdigkeit bieten hier einen Einstiegspunkt und ein Gesprächsangebot. Wenn solche Fragen gestellt werden, darf daraus kein Verhör entstehen. Die Betroffenen reagieren sonst schnell ablehnend oder steigern sich sogar noch stärker in ihr Essverhalten hinein.

Für die Familie ist der Umgang mit einem an Magersucht erkrankten Verwandten häufig schwierig. Daher ist es wichtig, dass die Familie sich frühzeitig selbst Hilfe sucht. Angehörige können sich auch vor dem ersten Gespräch an ihren Hausarzt oder an Beratungsstellen wenden, wenn sie sich unsicher fühlen.

Angehörige sollten unterstützen und zuhören

Die Krankheit sollte nicht zum bestimmenden Faktor im Leben der Angehörigen werden, da auch die Betroffenen diese Übermacht spüren. Sie müssen selbst Verantwortung für die Krankheit und ihre Genesung übernehmen können. Als Angehöriger sollte man eine unterstützende Rolle einnehmen. Die Betroffenen haben häufig ein zerstörtes Selbstwertgefühl. Erst wenn sie dieses wieder aufbauen können, lernen sie auch ihren Körper wieder zu schätzen.

Wenden sich Magersüchtige Hilfe suchend an das Umfeld, ist Zuhören wichtig. Bedenken sollten als eigene Meinung formuliert werden („Ich denke …“), um ihnen die Allmacht zu nehmen: Führen Sie das Gespräch auf Augenhöhe. Auch andere Themen neben der Magersucht sollten bei so einem Gespräch zugelassen werden: Liebeskummer, Schwierigkeiten im Freundeskreis oder in der Schule sind ebenfalls wichtig und sollten weiterhin Beachtung finden.

Miriam Schaum